Folge 3 Staffel 3

Folge hören

Skript-Download:
deutsch.doc deutsch.pdf english.doc english.pdf

Scroll down for english script!
**** DEUTSCH

Rampe? Reicht! – Staffel 3 Folge 3: Was ist Crip Time?

Rampe? Reicht! 20 Minuten Podcast über Crip Time.

tier: Das bedeutet so viel wie „Krüppelzeit“. Ja, dazu werden wir ein bisschen erklären, wie
Zeit und Zeitverlauf sich für Behinderte anders anfühlt.
SR: Genau. Ich bin SchwarzRund und habe letztes Semester ein Seminar zum Thema
Zeitlichkeit gegeben. Das passt also sehr gut.
tier: Ich bin simo_tier hier und ja, ich befasse mich eigentlich auch viel mit dem Thema.
Wozu hat mensch Zeit oder habe ich Zeit? Und wo, woher soll noch mehr Zeit kommen, um
alles zu schaffen und so weiter.
SR: Voll, voll, voll. Ich würde sagen, das Wort des Tages ist also Crip Time.
tier: Könntest du das vielleicht in einem Satz erklären?
SR: Voll, ich bin manchmal ziemlich unflexibel mit spontanen Entscheidungen, weil ich in
Crip Time laufe. Und das bedeutet, dass ich Sachen nicht einfach mal fix anders machen
kann, da anpassen kann.
tier: Das macht viel Sinn. Also eigentlich bedeutet das ja, dass wir Behinderten quasi erstens
mit anderen Zeitressourcen hantieren, aber halt auch manchmal verschieden lang oder
verschieden kurz für Sachen brauchen.
SR: Und dass Sachen in einer bestimmten Reihenfolge passieren müssen. Zum Beispiel… Ich
mache es mal an einem ganz konkreten Beispiel. Ich hatte ein großes Kolloquium an meiner
Universität, und dort gab es einen Zeitplan. Der wurde dann netterweise für Leute
angepasst, die anders fahren müssen und so weiter. An sich eine super Sache. Das Problem
ist, ich rechne in Crip Time. Heißt, ich musste planen, dass ich mein Gepäck zur richtigen Zeit
schleppe, um danach die richtigen Sachen noch machen zu können, um zur richtigen Zeit im
Airbnb zu sein, um das Gepäckgeschleppe da wiederum hinter mich zu bringen, bevor
andere Sachen passieren. Ich kann nicht einfach beschließen, erst abends ins Airbnb zu
gehen, weil dann habe ich keine Löffel mehr. Das Wort kennt ihr schon. Da ich in Crip Time
laufe, dauert dann auf einmal das, was vorher vielleicht 30 Minuten gedauert hätte (Gepäck
zum Airbnb bringen), dann auf einmal eine Stunde, weil ich super viele Pausen machen
musste wegen den Schmerzen. Genau, wie kommt der Begriff bei dir vor? Hast du auch
noch ein Beispiel aus deinem Alltag?
tier: Auf jeden Fall, da ich ja einen Elektrorollstuhl nutze, wenn ich draußen unterwegs bin,
habe ich immer das Gefühl, total hetzen zu müssen. Also, das ist ein persönliches Problem
von mir. Ich versuche dann auch etwas langsamer zu machen, aber überhaupt dieses
Loskommen mit, dass ich erstens dieses Hilfsmittel benutze, aber dann auch mehrere
andere Hilfsmittel für mich und den Hund, die auch mit müssen, aber dann muss ich ja auch
alles einplanen. Wie komme ich von A zu B, da ich auch Öffis benutze, und da, was wir schon
mal in der vorherigen Staffel verlinkt haben. Zum Beispiel dieses Video, was wie ein

Videospiel ist, wie lang dauert es für den Rollstuhlfahrer irgendwie in die Kneipe zu kommen
versus seiner nicht-behinderten Freundin, die halt zu Fuß irgendwie ja alle Treppen schafft,
und er kommt nicht weiter, weil der Fahrstuhl kaputt ist. Und so, genau, [SR: Genau.] das ist
halt genau ja sehr real bei mir.
SR: Ja, Crip Time. Also auch voll dieses Wissen, dass immer ungeplante Barrieren auf einen
warten, die irgendwie Zeit schlucken werden. Weswegen wir eh schon in einen Tag weniger
Flexibilität hineinplanen können [tier: Genau.], und einfach weniger Dinge. Genau, den
Begriff haben wir uns jetzt nicht ausgedacht, leider, das wäre ziemlich cool. Der Begriff hat
eine Geschichte, aber wir wollen heute uns mal rausnehmen, nicht so eine
Begriffsgeschichte zu erzählen, sondern gehen auf eine Person ein, die zu dem Begriff relativ
viel gearbeitet hat. Sie trägt den Namen Alison Kafer, und das Buch trägt den Titel „Feminist,
Queer, Crip“.
tier: Das hört sich ja toll an.
SR: Das ist… Das hört sich ziemlich toll an, genau. Und da gibt es ein Zitat, ich sag’s mal kurz
auf Englisch und du übersetzt es dann einfach. „Rather than bend disabled bodies and
minds to meet the clock, crip time bends the clock to meet disabled bodies and minds.“
tier: Also quasi: Anstelle von Körpern und Gehirnen der Uhr quasi anzupassen, passt die Uhr
an, an die behinderten Körper und Gehirne.
SR: Genau, und dieses Zitat finde ich total krass, weil das ja, I don’t know, also selbst die Idee
von Zeit und Zeitlichkeit irgendwie konstruiert ist, finde ich total schräg.
tier: Ja, das ist schon echt so nächstes Level, das so zu überlegen, weil wir ja schon alle sehr
gewohnt sind, in diesem Nach-der-Uhr-So-Zu-Leben, und anstelle dann zu denken, anstelle
von ständig der Uhr hinterher zu rennen, zu sehen, nee, also Crip Time braucht es halt so
und so lange, und ich muss mich dem nicht anpassen, sondern die Zeit muss ich mir
anpassen.
SR: Genau, und ich finde, es ist immer naheliegend darüber zu reden, wann Sachen nicht für
einen funktionieren, aber ich dachte, wir drehen das heute ein bisschen um. [tier: Okay?]
Wir sind ja beide auch Veranstalter*innen in irgendeiner Form und Art und Weise. [SR: Ja?]
Also ich im Sinne von, dass ich Workshops ausgestalte und du beim Queer Zinefest Berlin.
[tier: Genau.] Wie kommt dieses Konzept zum Tragen im Rahmen von dem, also, genau, wie
prägt das euer Nachdenken und wie prägt das auch mein Nachdenken, ja, im Bezug auf
Räume, wo wir die Macht haben, sie zu gestalten?
tier: Zum Beispiel haben wir ja beide auch mehrere Zinefests schon besucht und oft gab’s
dann z.B. ein Zinefest, das waren irgendwie drei Tage, jeden Tag war es offen von irgendwie
9 oder gefühlt 9, wahrscheinlich eher so 10 bis 20 Uhr, also völlig so absurd lange, wo wir
auch erstens gar nicht mitgemacht haben mit den Zeiten, also da waren wir schon selber im
Crip Time, wo wir gesagt haben, na nein, das ist uns viel zu lange und so, und da habe ich
halt selbst als organisierende Person auch gemerkt, bei dem ein Queer Zinefest hatten wir,
glaube ich, sag ich mal, 7 Stunden Öffnungszeit und haben einfach auch gemerkt, mit dem
Feedback auch von den Leuten, die da ihre Sachen verkauft haben, dass das einfach sich

nicht lohnt, das so lange zu machen, vor allem nicht, dass sich es nicht lohnt, so früh das
aufzumachen. Ich glaube, wir hatten dann um 11 Uhr irgendwie begonnen, und im nächsten
Jahr hatten wir dann die Zeit noch verkürzt von nur 13 bis 18 Uhr. Was sind das, 5 Stunden?
Und haben selber auch, also, ich erinnere mich, dass wir auch darüber geredet haben, dass
wir gemerkt haben, dass wir in dieser Zeit, in den 5 Stunden, genauso viel Zines verkauft
haben wie in den 7 Stunden im Jahr davor.
SR: Ich bin auf jeden Fall für 5 Stunden überzeugender, wie wenn ich weiß, ich muss 13
Stunden lang Verkaufsgespräche führen.
tier: Genau, genau das ist es eben auch. Also erstens, genau, dieses mehrere Stunden da
sitzen, und dann passiert auch nichts lange, oder es halt ruhiger… Ist halt extrem
anstrengend, wenn man da den ganzen Tag dann sitzt.
SR: Ja, du bist die ganze Zeit so einer Wartehaltung [tier: Ja.], du musst die ganze Zeit high
energy sein, aber kannst die nirgends hingeben.
tier: Genau, ziemliche Löffelverschwendung dann.
SR: Ja, das ist wirklich eine ziemliche Ressourcenverschwendung. Für mich z.B. kommt das
zum Tragen mit diesen längeren Workshops, die ich habe. Das sind so ganz Tagesworkshops,
die gehen dann immer so 7 Stunden. Das ist oft auch, weil die Förderer verlangen, dass das
so draufsteht. Finde ich auch an sich gut, also ich mag es voll mehr Zeit zu haben, aber ich
finde einen Empowerment-Workshop, der um 8:30 Uhr anfängt, an sich schon ein bisschen
lächerlich. [tier: Wow, hart.] Ich persönlich bin ein bisschen disempowert, wenn ich um 8:30
irgendwo sein muss.
tier: Oh Gott, da dann irgendwie auch frisch und aufnahmefähig sein um diese Zeit.
SR: Genau, und dass du das gerade sagst, ist super, weil was ist das schon für ein Anspruch?
Also, weil Empowerment-Workshop sagt ja gar nicht, du musst frisch und aufnahmefähig
sein. Weswegen ich das immer so mache, dass dann der erste Tag nur ein Einführungstag
ist, für so zwei Stunden, die nicht um 8:30 Uhr sind, und am Tag, der dann tatsächlich um
8:30 Uhr anfängt, sage ich immer von 8:30 Uhr bis 9:30 Uhr oder bis um 10 gibt’s Frühstück
und langsames Ankommen, und dann von 9:30 Uhr bis 10 checken wir noch mal ein
beieinander, und um 10 Uhr geht das Programm los.
tier: Ja, ich glaube, das ist schon sehr anders als das, was andere Leute so einem Zeitfenster
dann gegeben wird, machen.
SR: Genau, für mich ist das halt Crip Time, weil das auch für mich als Workshop-Leitende
heißt, ich muss da nicht fertig ankommen. Also, ich muss natürlich irgendwie da sein,
angekleidet, aber ich muss es nicht geschafft haben, vorher zu frühstücken, ich muss es
nicht geschafft haben, vorher was zu trinken, ich muss es nicht geschafft haben, vorher den
Raum vorzubereiten, all diese Dinge. Ich kann mich wirklich um mich kümmern in der kurzen
Morgenzeit und ich zwinge niemanden dazu, zur Frühstückszeit da zu sein.
tier: Das ist ja auch dann empowernd, dass die Leute sehen, die dahin kommen, so dieses
okay, erst nehmen wir uns die Zeit, um irgendwie wach zu werden und anzukommen.

SR: Genau, und das geht halt für manche besser daheim, weil sie noch Kids haben. Für
andere geht das besser vor Ort, weil die in einer stressigen WG wohnen und sich freuen, mal
woanders zu frühstücken.
tier: Stimmt. Also war da auch so ein Barriereabbau für alle, haben alle was von.
SR: Genau, und das ist für mich auch Crip Time. Dieses… Wieso muss jede Zeit, die uns
gegeben wird, immer so genutzt werden, wie es irgendwo steht? Wer sagt, dass es nicht
auch im Empowerment-Teil sein kann, fürs Ankommen gemeinsam zu sorgen? Wer sagt,
dass es nicht auch bezahlt werden sollte, dass jemand das strukturiert? Genau, und da
verweigere ich mich einfach so ein bisschen.
tier: Das ist cool, das ist so eine kleine Intervention von innen. So.
SR: Ja, voll. Genau wie Kafer sagt. Ne, dieses „Bending“, also biegen, zurechtbiegen,
zurechtschieben. Ich mag das Bild total gerne. [tier: Voll.] Ja, und jetzt, aus meiner Erfahrung
mit der Zeitlichkeit als Thema, also Zeit als Konzept. So ist es total spannend zu sehen, dass
eigentlich alle Revolutionen sich immer mit der Frage beschäftigt haben, ne? Also, wenn wir
uns die Arbeiterinnen-Bewegung angucken, warum gibt’s eigentlich eine Sechs-Tage- Woche mit 12 Stunden? Was ist das für ein Konzept von Zeitlichkeit? Hin zu, jetzt gerade, in der Arbeiterinnen-Bewegung, warum gibt es eine Fünf-Tage-Woche und nicht eine Vier-
Tage-Woche? Was ist denn das für Konzepte von Zeitlichkeit in einer veränderten
Arbeitswelt? Über die Schwarze Bewegung hin, die einfach diese Auftrennung von
Vergangenheit/Gegenwart/Zukunft aufheben möchte. Dekoloniale Bewegungen aus der
indigenen Richtung, die sagen: Es gibt auch andere Konzepte von Zeit. [tier: Ja.] Die
feministische Bewegung, die sich also in den Universitäten erstmal mit der Frage beschäftigt
hat: Ey, wann wurde eigentlich diese Zweites-Geschlecht-Idee entwickelt und warum? Also,
irgendwie spielt Zeit voll die Rolle bei Widerstand. Und am spannendsten fand ich, dass das
dann so ein bisschen kumuliert ist in den 80er Jahren, in dieser Idee von so Black Gay Time,
also Schwarze schwule Gedanken oder Schwarze queere Gedanken. Weil das total mit der
AIDS-Krise zusammenhängt. Und ich glaube, das ist wichtig für uns, für uns Queers, für uns
disabled Queers, auch wertzuschätzen, dass die AIDS-Krise einfach gemacht hat, dass auf
einmal Zukunft völlig weg war. Aber Zukunft war… Was war denn Zukunft damals? Ehe, ne?
Kinder kriegen. Und wenn das nicht mehr da ist als Zukunft, dann kannst du die Gegenwart
viel radikaler leben als das, was du bist. Also, dass Black Gayness so gezeigt worden ist auf
einmal, kommt auf eine ganz absurde Art dadurch, dass Zukunft weggenommen worden ist.
Weil wenn du für keine Zukunft dich quasi verstecken musst, ne?… [tier: Genau, ja.] Dann du
irgendwie akzeptabel wirst.
tier: Ja, keine Assimilation dann auch.
SR: Genau, kannst du unentschuldbar du selbst sein für die paar Jahre, die du hast. Also so
dramatisch das klingt, aber das war das Gefühl.
tier: Aber genau, das bringt es ja zusammen, wirklich dieses Queering Time und Crip Time.

SR: Ja, und ich glaube, das ist bei Crip Time genauso. Zeit hat für uns einfach einen anderen
Wert, kein höheren oder niedrigeren, einfach einen… [tier: Völlig anderen…] völlig anderen
Wert.
Okay, also ich habe jetzt ein bisschen über verschiedene Entstehungen erzählt, zu ich sag
mal marginalisierten Perspektiven auf Zeit. [tier: Ja?] Mit all dem, wo hast du das Gefühl,
kommt das schon vor in der queeren Bewegung, in der linken Bewegung? Und wo fehlt es
noch daran, Crip Time wahrzunehmen? Und auch im Bezug auf Behörden und Anträge und
so weiter?
tier: Wie mehr ich über dieses Konzept nachdenke, habe ich echt das Gefühl, dass da
unglaublich viel mehr gemacht werden müsste. Ich versuche jetzt ganz doll an irgendwelche
Positivbeispiele zu denken, aber um ehrlich zu sein, fällt mir da echt nichts ein. Also, nicht zu
sagen, dass wir das irgendwie am besten machen, aber eben das, über unsere Beispiele
vorhin, na ja, eher dieses wie du angesprochen hast, Behörden einfach, wie absurd es ist,
immer krasse Fristen einhalten zu müssen, aber die Behörden selber halten keine Fristen
ein. [SR: Ja.] Ich habe vor kurzem meinen neuen Schwerbehindertenausweis bekommen, auf
die Bewilligung oder Neugutachtung dieses… überhaupt das zu bekommen, hat zwei Jahre
gedauert. [SR: Ja.] Das ist halt einfach dieses… ständig in so einer Warteposition gehalten zu
werden. Ich fühle mich seit Jahren, dass ich nicht irgendwie wirklich ankommen kann,
irgendwo oder nicht irgendwo, sondern in meinem Leben, weil ich ständig auf irgendwas
warte, auf irgendeine Behörde oder irgendeine Barrierereduktion. Und das ist halt, was ich
auch von anderen Behinderten ganz, ganz viel höre.
SR: Ich finde teilweise weiß man schon vorher, wie schmerzhaft das Warten sein wird, dass
mensch deswegen sogar Anträge nicht stellt.
tier: Oh ja, auf jeden Fall.
SR: Ja. Und auch, ich finde, was man daran auch sieht, z. B. warte ich jetzt ja gerade auf
einen Brief seit anderthalb Jahren. Und ich weiß, wenn der Brief da ist, muss ich darauf
innerhalb von einer oder zwei Wochen reagieren. Wie soll ich denn Assistenz
dementsprechend organisieren? [tier: Genau.] Soll ich jetzt drei Jahre lang ‘ne Assistenz
bezahlen, damit die auf Sprung dann verfügbar ist für diese sehr intensiven ein bis zwei
Wochen dann? Wie soll das funktionieren?
tier: Wie soll das gehen?
SR: Das passt einfach alles nicht zusammen. Ich habe das Gefühl, Crip Time ist so ein
bisschen, als wäre das Leben ein Puzzle, was nur aus Stücken besteht, die nicht
zusammenpassen. Und alle sind die ganze Zeit upset und sauer [tier: Ja.], dass du nicht auf
magische Weise daraus irgendwie ein funktionierendes Puzzle baust und du bist die ganze
Zeit so: „Naja, aber die Hälfte der Puzzleteile ist zerrissen, die andere gehört zu einem 3D-
Puzzle, und das ist ein Schuh. Wer hat den Schuh dahingestellt?“ Und um nicht ich rum
stehen irgendwie sich Ärzt*innen, Behörden, Förderer und sind so: „Hey, das kann auch
zusammenpassen.“ Es ist ein bisschen skurril.

tier: Ja. Und hast du Erfahrung damit, wie das ist, dann Crip Time zu verhandeln mit nicht-
behinderten Freund*innen?
SR: Total, das ist eine meiner einprägsamsten Erinnerungen. Ich hatte früher die
Hauptdiagnose Depression. Würde ich mittlerweile auch anzweifeln, wie einige Diagnosen
bei mir, aber das ist ein anderes Thema. Aber gut, damals hat das halt irgendwie, damals
war ich depressiv. So genau. Und wie wir alle wissen, bei Depression kann das schwierig
sein, aus dem Haus zu gehen, sich aus dem Haus zu trauen, pünktlich loszumachen und so
weiter und so fort. Und ich habe mich mit einer Freundin getroffen, die extrem neurotypisch
ist. Und die musste wegen mir, sage und schreibe, 12 Minuten an ‘nem S-Bahnhof warten.
Ja, sie war weiß. Und ich hatte ihr unterwegs schon eine SMS geschrieben mit: „Hey, ich
komme, aber bitte sei nicht sauer, ich habe es heute nicht geschafft wegen den
Depressionen, von denen du weißt. Ich brauche ganz doll, dass ich jetzt keinen Ärger krieg,
wenn ich ankomme, ne? Weil ich hab eh schon Struggle in die S-Bahn zu steigen, Struggle in
den Bus zu steigen, S-Bahnhof Neukölln auszuhalten und so.“ Und dann komme ich an und
sie scheißt mich erstmal 10 Minuten zusammen, dass es doch egal ist warum, dass ich mich
trotzdem erstmal zu entschuldigen habe, weil das halt trotzdem irgendwie nicht okay und
normal ist, zu spät zu kommen. Und das war für mich so, ja, aber in Crip Time, Zeit, sind 12
Minuten Verspätung wegen Depression, keine Minute Verspätung.
tier: Genau, sogar wenig finde ich.
SR: Da ist man zu früh fast finde ich. Also, ich finde, ich war eine Stunde zu früh, mindestens.
Und es war weird, dass ich überhaupt da war. [tier: Ja.] Genau, also ich würde, wenn
jemensch 12 Minuten zu spät kommt mit Depression und Angststörung, sagen: „Voll schön,
dich zu sehen“, oder „Danke, dass du zu mir gefahren kommst“, oder „Yey, you did it“, oder
„Was brauchst du?“, oder „Soll ich dir entgegenfahren kommen mit der S-Bahn?“
tier: „Soll ich dich abholen?“
SR: „Wollen wir uns bei dir statt bei mir treffen und dann versuchen zusammen
rauszugehen?“ Also, so, ne, mir wäre halt völlig klar, dass dieses Treffen um, sagen wir, 16
Uhr wahrscheinlich verlangt, dass die Person drei Tage lang vorher sich vorbereitet hat, um
es da überhaupt hinzuschaffen. [tier: Oh ja.] Also dass die zwei Stunden Kaffee, auf die ich
irgendwie dogmatisch bestehe, drei Tage Zeit-Investment sind von meinem Gegenüber, weil
ich halt in Crip Time denke. Genau, das ist glaube ich das, wie ich dem sehr oft begegne im
Bezug auf Ables, dass sie meine Inflexibilität nicht verstehen und versuchen, mich zu
beruhigen. So, danke, aber ändert jetzt nicht wirklich was.
tier: Crip Time is still a thing.
SR: Ist noch immer schwieriger für mich, jetzt mit der Veränderung umzugehen, wie für dich.
So, vielleicht noch ein Side Effect, den ich wichtig finde zu benennen, dass Crip Time auch so
ein bisschen für mich reinfließt in Löffeltheorie. Im Sinne von, ich kann mich dann schon
flexibel auf Veränderung einstellen und mir fehlen dann halt die Löffel, um abends meine
Medis zu nehmen. [tier: Genau.] Weißt du, was ich meine?

tier: Ja, ja, also dieses Umstellen oder dass irgendwas geändert wird, da flexibel sein zu
können, frisst halt dann so viele Löffel, dass dann wieder, also das eigene Leben dann
irgendwie drunter leidet.
SR: Ja, Flexibilität als Anspruch ist einfach ein ableistisches Konzept. [tier: Ja.] Ich bleib
dabei.
tier: Auf jeden Fall, also da bin ich voll mit dir.
SR: Ich finde noch ein Zitat total spannend dazu, darf ich das mit dir teilen?
tier: Ja, gerne.
SR: Nice. Okay, wie ihr alle wisst, ich forsche gerade zu Audre Lorde und das stolpere ich
immer wieder über Sätze, wo ich mir denke „Verflucht.“ Folgendes ist aus einem Essay, das
heißt „Man Child: A Black Lesbian Feminist‘s Response“, also „Mannkind: eine Schwarze
lesbische feministische Antwort“. Und ich lese es erst auf Englisch vor und übersetze es
dann:
„Frequently, when speaking with men and white women, I am reminded of how difficult and
time-consuming it is to have to reinvent the pencil every time you want to send a message.“
tier: Ah, das ist genial!
SR: „Regelmäßig, wenn ich mit Männern oder weißen Frauen spreche, werde ich daran
erinnert, wie kompliziert und zeitraubend es ist, jedes Mal den Stift neu zu erfinden, wenn
du eine Nachricht senden möchtest.“
Was denkst du dazu?
tier: Stimmt total, danke, Audre Lorde, wieder für die absoluten Wahrheiten. Aber ja,
wirklich, dieses… Es frisst unglaublich viel Zeit, mit, sag ich mal, verschiedenen privilegierten
Gruppen wieder irgendeine Grundsatzdiskussion führen zu müssen. Also, das ist halt auch
das, weswegen ich riesige Probleme habe in größeren Orgagruppen zu arbeiten oder so. In
der einen Orgagruppe, wo ich mitarbeite, bestehe ich ja immer sehr darauf, alles sehr kurz
und bündig zu halten und so, weil einfach dieses, irgendwelche Plena mit 1000 Punkten, und
dann haben die meisten anderen keine Probleme damit, dass das Plenum dann auf einmal
fünf Stunden lang ist, weil alles immer noch mal durchgekaut werden muss.
SR: Voll, für mich sind manchmal Zeitplanungen mit Leuten, die nicht neurodivergent oder
behindert sind, genau das. Wo du denkst: Ja, das kann man schon machen, aber ist halt
völlig sinnlos und scheiße. Also, klar können wir uns mal auf Kaffee treffen, um da mal so
drüber zu reden. Aber wir können ja einfach vorher planen, worüber wir sprechen wollen,
und das dann strukturiert angehen mit den Leuten, um die es geht. Sowas zeigt mir einfach,
ja, die Person, für die ist eine Stunde im Café sitzen genau eine Stunde Zeit, und für mich ist
eine Stunde im Café einfach vier Tage Arbeit. Und ich glaub, da kommt so eine Rechnung für
mich da mit rein: Bringt mir die Stunde so viel wie vier Tage andere Arbeit, während die
Person nur rechnen muss, bringt mir die eine Stunde so viel wie die eine Stunde mir bringt.

tier: Genau, also das wär halt so ein Plädoyer jetzt an die Nicht-Behinderten vielleicht auch
ein bisschen einzuchecken mit den behinderten Friends, Familienmitgliedern und so weiter.
[SR: Kolleg*innen…] „Wenn wir dies oder jenes tun, wie viel Zeit nimmt das für dich in
Anspruch?“
SR: Ja, und ihr werdet staunen.
tier: Genau, wirklich.
SR: Also ich staune auch bei Friends dann, wenn ich nachfrage.
tier: Ja, ich staune manchmal bei mir selber. Ich bin immer noch, wirklich, also wie gesagt,
seit drei Jahren rolli-fahrend, und bin immer noch manchmal so: „Oh mein Gott, so lange
dauert es tatsächlich unterwegs zu sein.“ [SR: Ja.] Und bin immer noch am Nachjustieren,
wie früh ich eigentlich losmuss.
SR: Voll, ich glaube, was Crip Time auch vielleicht mitbringt, ist Grief, also Trauer. [tier: Ja…]
Und meine These ist ja, dass wir als Gesellschaft nicht mehr trauern wollen zusammen. Und
ich glaube, erstens ist das ein Trauern mit sich: Ich habe einfach weniger Lebenszeit, weil ich
länger brauche, um Hilfsmittel in Taschen zu tun. [tier: Ja. Ja.] Aber das heißt auch trauern
mit Angehörigen: „Ach, für dich dauert die eine Stunde Kaffeezeit zusammen vier Tage, das
ist ganz schön traurig, weil das heißt, wir können uns weniger oft sehen, wie ich gerne
würde.“ Aber ich glaube, der Trick ist vielleicht als kleines, schönes Ende zu dem Thema Crip
Time: Zusammen trauern bringt einen meistens näher zusammen, das kreiert tatsächliche
Nähe, genau. Deswegen als Einladung an euch: Quatscht mal einfach Menschen in eurem
Leben an und sagt: „Ey, wenn wir diese Sache zusammen machen, was heißt das eigentlich
für dich die Tage davor und danach?“ Nicht im Sinne von „Wer gewinnt das Behinderten-
Roulette?“, sondern einfach, es wird sich bei jeder Sache unterscheiden. [tier: Ja.] Es ist auch
nicht so, dass es immer mehr ist für die behinderte Person und weniger für die andere. Es ist
wirklich total individuell unterschiedlich. Ihr erfahrt viel mehr übereinander. [tier: Ja.] Ich
glaube, das finde ich das Schöne an diesen Gesprächen. [tier: Ja, voll.] Dass du dadurch total
viel erfährst über dich selbst, übers Leben, über das Gegenüber. Genau.
Wie immer möchten wir sehr, sehr doll allen danken, die zuhören oder mitlesen oder
teilweise zuhören oder teilweise die Skripte lesen. Und freuen uns über eure Mails und eure
finanzielle Unterstützung. Und finanziell unterstützen kann man uns…
tier: … über Patreon, das geht dann monatlich, oder natürlich geht’s auch einmalig über
PayPal und über unsere Kontonummer. Ja, und die Fragen und Themenwünsche könnt ihr
uns gerne an unsere E-Mail-Adresse schreiben, die heißt rampereicht@gmail.com.
SR: Alles Mögliche erfahrt ihr über Social Media oder einfach, indem ihr – ganz schlicht – uns
abonniert in eurer Podcast-App. Ich bin SchwarzRund und ihr findet mich überall als
@schwarzrund.
tier: Ich bin simo_tier und ihr findet mich auf Instagram als @simo_tier.
SR: Und ihr findet uns auch bei Instagram als @rampereicht. Das vergessen zu sagen. [tier:
Das stimmt.]

Beide: Wir sind verrückt, behindert, krank, queer, nicht-binär, migriert, Schwarz – und dieser
Podcast ist es auch.

******ENGLISH

Ramp? Enough! – Season 3 Episode 3: What is Crip Time?

Ramp? Enough! A 20-minute podcast about crip time.

tier: That means something like „cripple time“. Yes, we will explain a little bit about how
time and the passage of time feels different for disabled people.
SR: Exactly. I’m SchwarzRund and last semester I gave a seminar on the topic of temporality.
So that’s a very good fit.
tier: I’m simo_tier and yes, I actually deal with the topic a lot. What do you have time for or
what do I have time for? And where, where will more time come from to get everything
done, and so on.
SR: Right, right, right. So, I’d say the word of the day is crip time.
tier: Could you explain that in one sentence?
SR: Absolutely, I’m sometimes quite inflexible with spontaneous decisions because I’m
running in crip time. And that means that I can’t just do things differently, adapt them.
tier: That makes a lot of sense. Actually, this means that we disabled people deal with other
time resources, but sometimes we also need different lengths of time or different short
periods of time for things.
SR: And that things have to happen in a certain order. For example… I’ll do it with a very
concrete example. I had a big colloquium at my university, and they had a schedule. It was
then kindly adapted for people who have to take a different way to university and so on. In
itself a great thing. The problem is, I’m calculating in crip time. In other words, I had to plan
that I would carry my luggage at the right time in order to be able to do the right things
afterwards, to be in the Airbnb at the right time, to get dragging the luggage behind me
before other things happened. I can’t just decide to go to my Airbnb in the evening, because
then I won’t have any spoons left. You already know the word. Since I’m running in crip
time, what would have taken maybe 30 minutes before (bringing luggage to the Airbnb)
suddenly takes an hour, because I had to take a lot of breaks because of the pain. Exactly,
how do you understand the term? Do you have an example from your everyday life?
tier: Definitely, since I use an electric wheelchair when I’m out and about, I always have the
feeling that I have to incredibly rush. So, this is a personal problem of mine. I then also try to
slow down a bit, but in general getting started, using this aid first of all, but then also several
other aids for me and the dog, which also have to go with me, but then I have to plan
everything. How do I get from A to B, since I also use public transport, and there, which we
have already linked in the previous season. For example, this video, which is like a video
game, how long does it take for the wheelchair user to somehow get to the pub versus his
non-disabled girlfriend, who somehow manages all the stairs on foot, and he can’t get any
further because the elevator is broken. And so, exactly, [SR: Exactly.] that’s just very real to
me.

SR: Yes, crip time. So, it’s also this knowledge that there are always unplanned barriers
waiting for you, which will somehow swallow up time. Which is why we can plan for less
flexibility in a day anyway, and simply fewer things. Exactly, we didn’t come up with the
term, unfortunately, that would be pretty cool. The term has a history, but today we don’t
want to talk about the term’s history, but talk about a person who has done quite a lot of
work on it. Her name is Alison Kafer, and the book is titled „Feminist, Queer, Crip.“
tier: That sounds great.
SR: That’s… That sounds pretty awesome, exactly. And there’s a quote, I’ll say it briefly in
English and then you just translate it. „Rather than bend disabled bodies and
minds to meet the clock, crip time bends the clock to meet disabled bodies and minds.“
tier: So so to speak: Instead of adapting bodies and brains to the clock, so to speak, the
watch adapts to the disabled bodies and brains.
SR: Exactly, and I think this quote is blatant, because yes, I don’t know, so even the idea of
time and temporality is somehow constructed, I think it’s totally weird.
tier: Yes, that’s really the next level, to think about it that way, because we’re all very used
to living in this after-the-clock-like way, and instead of thinking, instead of constantly
running after the clock, to see, no, so in crip time it just takes so and so long, and I don’t
have to adapt to it, but time has to adapt to me.
SR: Exactly, and I think it’s always natural to talk about when things aren’t working for you,
but I thought we’d turn that around a little bit today. [tier: Okay?] We are both organizers in
one form or another. [SR: Yes?] So, me in the sense that I give workshops and you at the
Queer Zinefest Berlin. [tier: Exactly.] How does this concept come into play in the context of,
well, exactly, how does it shape your thinking and how does it also shape my thinking, yes,
in relation to spaces where we have the power to shape them?
tier: For example, we have both already visited several Zinefests and often there was a z
Zinefest, for example, which was somehow three days, every day it was open from
somehow 9 or felt like 9, probably more like 10 am to 8 pm, absurdly long, where we also
first of all did not participate at all with the times, so we were already at crip time ourselves,
where we said, well, no, that’s way too long for us and so on, and that’s when I noticed
myself as an organizing person, at the Queer Zinefest we had, I think, let’s say, 7 hours of
opening time and just noticed, with the feedback also from the people, who have sold their
stuff, that it’s just not worth it to do it for so long, especially that it’s not worth it to open it
so early. I think we kind of started at 11 am, and the next year we shortened the time from
just 1 pm to 6 pm. That’s… 5 hours? And we also have, well, I remember that we also talked
about it, that we noticed that in that time, in the 5 hours, we sold just as many zines as in
the 7 hours the year before.
SR: I’m definitely more persuasive for 5 hours than when I know I have to make sales for 13
hours.

tier: Exactly, that’s exactly what it is. So, first of all, exactly, sitting there for several hours,
and then nothing happens for long, or it just calms down… It’s just extremely exhausting
when you sit there all day.
SR: Yes, you’re in such a wait-and-see attitude all the time, you have to be high energy all
the time, but you can’t give it anywhere.
tier: Exactly, quite a waste of spoons then.
SR: Yes, it’s really quite a waste of resources. For me, for example, this comes into play with
these longer workshops that I give. These are one-day workshops, which always last about 7
hours. This is often also because the sponsors demand that it be written on the label. I think
it’s good in itself, so I like to have more time, but I find an empowerment workshop that
starts at 8:30 am a bit ridiculous in itself. [tier: Wow, rough.] Personally, I’m a bit
disempowered when I have to be somewhere at 8:30 am.
tier: Oh God, then somehow also be fresh and receptive at this time.
SR: Exactly, and the fact that you’re just saying that is great, because what kind of claim is
that? So, because empowerment workshop doesn’t say you have to be fresh and receptive.
That’s why I always do it in such a way that the first day is just an introductory day, for two
hours and not at 8:30 am, and on the day that actually starts at 8:30 am, I always say from
8:30 am to 9:30 am or until 10 am there is breakfast and slow arrival, and then from 9:30
am to 10 am we check in again, and at 10 am the program starts.
tier: Yes, I think it’s very different from what other people do in such a time frame.
SR: Exactly, for me it’s just crip time, because for me as a workshop leader, it also means
that I don’t have to arrive completely ready. So, of course, I have to be there somehow,
dressed, but I don’t have to have managed to have breakfast beforehand, I don’t have to
have managed to drink something beforehand, I don’t have to have managed to prepare the
room beforehand, all these things. I can really take care of myself in the short morning time
and I don’t force anyone to be there at breakfast time.
tier: It’s also empowering that the people who come there see this, okay, first we take the
time to somehow wake up and arrive.
SR: Exactly, and for some people it’s better at home because they still have kids. For others,
this is better done locally, because they live in a stressful shared flat and are happy to have
breakfast somewhere else.
tier: That’s right. So, there was also a reduction of barriers for everyone, everyone got
something out of it.
SR: Exactly, and that’s crip time for me. This… Why does every time we are given always
have to be used as it is written somewhere? Who’s to say that it can’t also be part of the
empowerment part to ensure that people arrive together? Who says the person structuring
it shouldn’t get paid? Exactly, and I just refuse to do that a little bit.
tier: That’s cool, that’s a little intervention from within.

SR: Yes, totally. Just like Kafer says. No, this bending, pushing into place, I really like the
picture. [tier: Totally.] Yes, and now, from my experience with temporality as a theme, so
time as a concept. So, it’s really exciting to see that actually all revolutions have always dealt
with this question, right? So, if we look at the labor movement, why is there a six-day week
with 12 hours? What is this concept of temporality? Towards this, right now, in the labor
movement, why is there a five-day week and not a four-day week? What are these concepts
of temporality in a changed world of work? Beyond the Black movement, which simply
wants to abolish this separation of past/present/future. Decolonial movements coming from
the indigenous direction, which say: There are also other concepts of time. [tier: Yes.] The
feminist movement, which first dealt with the question in the universities: Hey, when was
this second-gender idea actually developed and why? So, somehow, time plays a full role in
resistance. And what I found most exciting was that it was a bit cumulative in the 80s, in this
idea of Black gay time, so Black gay thoughts or Black queer thoughts. Because it’s totally
connected to the AIDS crisis. And I think that’s important for us, for us queers, for us
disabled queers, to also appreciate the fact that the AIDS crisis simply erased the future
completely. But the future was… What was the future like back then? Marriage, eh? Having
children. And if that’s no longer there as the future, then you can live the present much
more radically than what you are. So, the fact that Black gayness has been shown like this all
at once comes in a very absurd way because the future has been taken away. Because if you
don’t have to hide for any future, right?… [tier: Exactly, yes.] Then you somehow become
acceptable.
tier: Yes, no assimilation then.
SR: Exactly, you can be inexcusably yourself for the few years you have. So, as dramatic as
that sounds, but that was the feeling.
tier: But exactly, that’s what brings it together, really this queering time and crip time.
SR: Yes, and I think it’s the same with crip time. Time simply has a different value for us, not
a higher or lower one, simply a… [tier: Completely different…] completely different value.
Okay, so I’ve now told you a little bit about different origins, about, let’s say, marginalized
perspectives on time. [tier: Yes?] With all this, where do you feel that this is already
happening in the queer movement, in the left-wing movement? And where is it still lacking
to perceive crip time? And also in terms of authorities and applications and so on?
tier: The more I think about this concept, I really feel like there’s so much more that needs
to be done. I’m trying to think of some positive examples, but to be honest, I really can’t
think of anything. So, not to say that we somehow do this best, but just this, about our
examples earlier, as you mentioned, authorities – just how absurd it is to always have to
meet blatant deadlines, but the authorities themselves do not meet deadlines. [SR: Yes.] I
recently received my new disability ID and the approval or reassessment of this… It took me
two years to get that at all. [SR: Yes.] That’s just this… to be kept in such a waiting position
all the time. I’ve felt for years that I can’t really arrive somehow, somewhere – or not
somewhere, but in my life, because I’m constantly waiting for something, for some authority
or some barrier reduction. And that’s just what I hear a lot from other disabled people.

SR: I think you know in advance how painful the wait will be, that you don’t even submit
applications because of it.
tier: Oh yes, definitely.
SR: Yes. And also, I think what you can see in it, for example, I’ve been waiting for a letter
for a year and a half. And I know that when the letter is there, I have to respond to it within
a week or two. How should I organize assistance accordingly? [tier: Exactly.] Should I now
pay for an assistant for three years so that they are available on the go for these very
intensive one to two weeks then? How is this supposed to work?
tier: How is that supposed to work?
SR: It just doesn’t add up. I feel like crip time is a bit like life is a jigsaw puzzle made up of
pieces that don’t fit together. And everybody’s upset all the time and that you’re not
magically make it a working puzzle somehow, and you’re like, „Well, but half of the puzzle
pieces are torn, the other half belongs to a 3D puzzle, and that’s a shoe. Who put the shoe
here?“ And doctors, authorities, sponsors are somehow standing around me and are like:
„Hey, this can also fit together.“ It’s a bit quirky.
tier: Yes. And do you have experience with what it’s like to then negotiate crip time with
non-disabled friends?
SR: Totally, that’s one of my most memorable memories. I used to have the main diagnosis
of depression. I would also doubt it now, like some of my diagnoses, but that’s another
topic. But well, at that time it was just somehow… at that time I was depressed. That’s right.
And as we all know, with depression, it can be difficult to get out of the house, to dare to
leave the house, to leave on time, and so on and so forth. And I met up with a friend who is
extremely neurotypical. And because of me, she had to wait 12 minutes at an S-Bahn
station. Yes, she was white. And I had already texted her on the way with, „Hey, I’m coming,
but please don’t be angry, I didn’t make it today because of the depression you know about.
I really need not to get in trouble when I arrive, right? Because I’m already struggling to get
on the S-Bahn, struggle to get on the bus, to endure Neukölln S-Bahn station and so on.“
And then I arrive and she shits on me for 10 minutes, that it doesn’t matter why, that I still
have to apologize first, because it’s still somehow not okay and normal to be late. And that
was like that for me, yes. But in crip time, 12 minutes late because of depression is not a
single minute late.
tier: Exactly, I don’t think so.
SR: It’s almost too early, I think. So, I think I was an hour early, at least. And it was weird that
I was there at all. [tier: Yes.] Exactly, so if anyone is 12 minutes late with depression and
anxiety, I would say: „It’s really nice to see you“, or „Thank you for coming to see me“, or
„Yey, you did it“, or „What do you need?“, or „Should I come to meet you on the S-Bahn?“
tier: „Do you want me to pick you up?“
SR: „Shall we meet at your place instead of me and then try to go out together?“ So, well,
no, I would be perfectly aware that this meeting at, let’s say, 4 pm probably requires the

person to have prepared for three days in advance in order to even make it there. [tier: Oh
yes.] So that the two hours of coffee, which I somehow dogmatically insist on, are three
days of time investment from my counterpart, because I think in terms of crip time. Exactly,
I think that’s what I encounter a lot with non-disabled people, that they don’t understand
my inflexibility and try to calm me down. So, thanks, but doesn’t really change anything
now.
tier: Crip time is still a thing.
SR: It’s still harder for me to deal with the change now than it is for you. So, maybe another
side effect that I think is important to name, that crip time also flows a bit into spoon theory
for me. In the sense of, I can then adjust flexibly to change and I just don’t have the spoons
to take my meds in the evening. [tier: Exactly.] You know what I mean?
tier: Yes, yes, changing something or that something is being changed, to be able to be
flexible, then eats so many spoons that then again, one’s own life somehow suffers from it.
SR: Yes, flexibility as a claim is simply an ableist concept. [tier: Yes.] I’m sticking with it.
tier: Definitely, so I’m totally with you.
SR: I find another quote really exciting, may I share it with you?
tier: Yes, of course.
SR: Nice. Okay, as you all know, I’m researching Audre Lorde right now and I keep stumbling
across sentences where I’m like, „Damn.“ The following is from an essay called „Man Child:
A Black Lesbian Feminist’s Response.“ And I first read it in English and then translate it:
„Frequently, when speaking with men and white women, I am reminded of how difficult and
time-consuming it is to have to reinvent the pencil every time you want to send a message.“
tier: Ah, that’s awesome!
SR: [German translation]
What do you think?
tier: That’s totally true, thank you, Audre Lorde, again for the absolute truths. But yes, really,
this one… It eats up an incredible amount of time to have to have some kind of fundamental
discussion with, let’s say, various privileged groups. Well, that’s why I have huge problems
working in larger organizational groups or something. In one of the organizational groups
where I work, I always insist on keeping everything very short and to the point, and so on,
because it’s just this, some plenary session with 1000 points, and then most of the others
have no problems with the fact that the plenum is suddenly five hours long, because
everything always has to be discussed repeatedly.
SR: Absolutely, for me it’s exactly that sometimes when scheduling with people who aren’t
neurodivergent or disabled. You just think: yes, you can do that, but it’s just completely
pointless and shit. Well, of course we can meet for coffee to talk about it. But we can simply
plan in advance what we want to talk about and then approach it in a structured way with

the people we are talking about. Something like that just shows me, yes, the person for
whom an hour of sitting in a café is exactly one hour of time, and for me an hour in a café is
simply four days of work. And I think that’s where a calculation comes in for me: If the hour
brings me as much as four days of other work, while the person only has to calculate, the
one hour brings me as much as the one hour brings me.
tier: Exactly, that would be a plea to the non-disabled to maybe check in a little bit with the
disabled friends, family members and so on. [SR: Colleagues…] „If we do this or that, how
much time does it take for you?“
SR: Yes, and you’ll be amazed.
tier: Exactly, really.
SR: Well, I’m also amazed by friends when I ask.
tier: Yes, I sometimes wonder about myself. I’m still, really, like I said, using a wheelchair for
three years, and I’m still sometimes like, „Oh my God, that’s how long it actually takes to be
on the way.“ [SR: Yes.] And I’m still readjusting how early I actually have to leave.
SR: Absolutely, I think what Crip Time might also bring to the table is grief. [tier: Yes…] And
my thesis is that we as a society no longer want to grieve together. And I think, first of all,
it’s a grieving with it: I just have less time to live because it takes me longer to put aids in my
pockets. [tier: Yes. Yes.] But that also means grieving with relatives: „Oh, for you, the one
hour of coffee time lasts four days together, that’s pretty sad because it means we can see
each other less often than I would like.“ But I think the trick is perhaps as a small, beautiful
ending to the topic of crip time: grieving together usually brings you closer together, that
creates actual closeness, exactly. So as an invitation to you: Just talk to people in your life
and say: „Hey, if we do this thing together, what does that actually mean for you the days
before and after?“ Not in the sense of „Who wins the disability roulette?“, but simply, it will
be different on everything. [tier: Yes.] Nor is it the case that it is always more for the
disabled person and less for the other. It’s really totally different from person to person. You
learn a lot more about each other. [tier: Yes.] I think that’s what I think is the beauty of
these conversations. [tier: Yes, full.] That you learn a lot about yourself, about life, about the
other person. Exactly.
As always, we would like to thank very, very much everyone who listens or reads along or
partly listens or partly reads the scripts. And we are looking forward to your mails and your
financial support. And you can support us financially…
tier: … via Patreon, which is then monthly, or of course it is also possible once via PayPal and
via our bank account number. Yes, and you are welcome to send us your questions and
topic requests to our e-mail address, which is rampereicht@gmail.com.
SR: You can find out all kinds of things via social media or simply by subscribing to us in your
podcast app. I’m SchwarzRund and you’ll find me everywhere as a @schwarzrund.
tier: I’m simo_tier and you can find me on Instagram as @simo_tier.

SR: And you can also find us on Instagram as @rampereicht. Forgot to say that. [tier: That’s
right.]

Both: We’re Mad, disabled, sick, queer, non-binary, migrated, Black – and so is this podcast.